Gesundheitsminister zu Besuch im Pharmagroßhandel. Bundesregierung will € 350 Mio Sparbeitrag!

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Knapp anderthalb Stunden Zeit hatte sich Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler genommen, um die Arzneimitteldistribution in Deutschland erstmals hautnah zu studieren. Begleitet wurde er von Björn Försterling, dem 27-jährigen FDP-Landtagsabgeordneten aus Wolfenbüttel. Die Gebrüder Kehr hatten eingeladen, um die Leistung und die Qualität der Arzneimittelversorgung zu erläutern und gleichzeitig über die drastischen Auswirkungen des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG) auf Großhandel und Apotheke zu diskutieren.

Blendend aufgelegt zeigte Minister Rösler großes Interesse an der hohen Qualität und Perfektion der Lager- und Kommissionierungsprozesse. Besonderes Augenmerk legte er auf das ausgeklügelte System der Kühllogistik für thermolabile Arzneimittel sowie die aufwändigen Sicherungssysteme für die Handhabung der Betäubungsmittel. Darüber hinaus zeigte er sich beeindruckt, dass aus einem Lager von 85.000 verschiedenen Produkten innerhalb von 15 Minuten jeder eingegangene Auftrag versandfertig zusammengestellt und zur Auslieferung bereitgestellt ist. Mit seinem Vollsortiment sorgt der Pharmagroßhandel dafür, dass trotz begrenzter Lagerungsmöglichkeiten in Apotheken alles stets pünktlich, schnell und zuverlässig in der Apotheke für den Patienten bereitgestellt werden kann.

Breiten Raum nahm anschließend das Gespräch über das Sparpaket der Bundesregierung, das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG) und die mittel- und langfristigen Perspektiven im Gesundheitssystem für Großhandel und Apotheke ein. Überraschend drastisch sollen per Spannenkürzung dem Pharma Großhandel 350 Mio € -immerhin ein Drittel seiner Wertschöpfung- entzogen werden, um Rabattspielräume im Wettbewerb um Apothekenumsätze abzusaugen. Das wird nicht ohne Qualitätseinschränkungen in beiden Handelsstufen zu haben sein, machten Hanns-Heinrich und Ulrich Kehr, selbst Apotheker und Vorstandsmitglied im Bundesverband Phagro deutlich.

Sie legten dann ausführlich die Bedeutung für ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die Einbindung ihres Unternehmens in die bundesweite Kooperation der privaten Pharmagroßhändler, die „Pharma Privat GmbH“ dar. Dieser Zusammenschluss von 10 regionalen Marktführern im Pharmagroßhandel zieht Synergien aus den Bereichen Einkauf, Marketing und zunehmend auch Vertrieb, um Nachteile im Wettbewerb mit den Großkonzernen zu kompensieren. Dabei bleibt ihre Qualität aus regionaler Kundennähe und starker Innovationsfähigkeit des Mittelstandes bestimmend. Hanns-Heinrich Kehr, Diplom Kaufmann leitet diese Kooperationsgesellschaft von Braunschweig aus.

„Dass Herr Dr. Rösler angesichts der großen Projekte seines Gesundheitsresorts entspannt, aber inhaltlich klar strukturiert und detailfest mit uns 15 Minuten länger als geplant diskutierte, zeigt, dass es genug zu besprechen gab und er sich bei uns wohl gefühlt hat“, resümierten die Brüder nach dem Besuch des Ministers.